Vortrag 22.01.2026, 18:15 Uhr, Dr. Viktoria Räuchle – Chain My Heart! Der gefesselte Eros in der griechisch-römischen Bilderwelt und Literatur

Donnerstag, den 22. Januar 2026, 18:15 Uhr

Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn

Dr. Viktoria Räuchle, Universität München

Chain My Heart!

Der gefesselte Eros in der griechisch-römischen Bilderwelt und Literatur

Das Motiv des gefesselten und damit für das Quälen der unglücklich Verliebten bestraften Liebesgottes kennt die hellenistische und kaiserzeitliche Bilderwelt und Literatur in verschiedensten Gattungen und Zusammenhängen. In dieser Figur verdichten sich Bedeutungen auf unterschiedlichen Ebenen zu einem Panoptikum des Begehrens, das sich aus universalen Aspekten affektiver Erfahrung speist und dabei zugleich in hohem Maße von kulturspezifischen Liebeskonzepten sowie literarischen und visuellen Traditionen geprägt ist. Dieses Motiv bietet Möglichkeiten einer Erörterung über das Wesen der Liebe zwischen göttlicher Macht und Affekt, über die Fesseln der Leidenschaften und die Ketten der Vernunft, über universale und zeitgebundene Aspekte des Begehrens und über die Verstrickungen konkreter und metaphorischer Bedeutungen in der antiken Bildsprache.

Der gefesselte Eros. Marmorstatue. Hannover, Sammlung Wallmoden
Mit Genehmigung S.k.H. des Prinzen von Hannover, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg. Photo Stephan Eckardt, Göttingen

Vortrag 12.12.2025, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos – Der minoische Stiersprung

Donnerstag, den 12. Dezember 2025, 18:15 Uhr

Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn

Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos (Universität Heidelberg)

Der minoische Stiersprung

Anatomie eines frühägäischen Rituals

Innerhalb der faszinierenden Bilderwelt aus der Blütezeit der minoischen Kultur sticht ein Motiv so deutlich hervor, dass es geradezu zum visuellen Emblem des Palastes von Knossos wurde: die atemraubende Begegnung zwischen wagemutigen jungen Akrobaten und dem ungezähmten Stier. Zwar kennt auch die übrige Alte Welt Darstellungen dieses archaischen Duells – doch nur auf dem bronzezeitlichen Kreta verdichtete sich das Thema zu einem ästhetisch und symbolisch überaus kraftvollen Leitmotiv. Nach mehr als einem Jahrhundert intensiver Forschung und einer Fülle an Deutungsversuchen wird im Vortrag eine neue Interpretation gewagt, welche die identitätsstiftende Bedeutung dieses Bildthemas für die minoische Elite in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Stiersprung

Vortrag 20.11.2025, 18:15 Uhr, Prof. Monika Trümper – Das Gymnasium von Agrigent

Donnerstag, den 20. November 2025, 18:15 Uhr

Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn

Prof. Monika Trümper (Berlin)

Das Gymnasium von Agrigent

Neue Funde und Forschungen der Freien Universität Berlin

In der griechischen Kultur stellten Gymnasien den zentralen Ort für sportliche und intellektuelle Ausbildung der Jugend dar. Von den wenigen bekannten Beispielen solcher Gebäude im westlichen Mittelmeerraum ist das Gymnasium in Agrigent das wichtigste und größte. Es wurde zwischen 1960 und 2005 partiell freigelegt, und seit 2020 gräbt dort ein Team der Freien Universität Berlin. Es werden Ergebnisse von fünf Feldforschungskampagnen vorgestellt, darunter ein Hörsaal und eine große Bauinschrift. Die Anlage – so zeigt sich nun – bot Raum für vielerlei athletische Übungen, vor allem auch für den nur selten archäologisch nachweisbaren Schwimmsport, war aber auch ein Ort für Vorführungen und geistige Aktivität.

Agrigent, Drohnenbild vom Gymnasium 2025. Der Bereich der Palästra setzt sich noch nach links und oben über den Bildrand fort. Dazu gehört links der Bildmitte der Hörsaal mit halbkreisförmigen Stufen, nach rechts schließt ein großer Saalbau an. Am rechten Bildrand in halber Höhe des Bildes der Bereich des einst von Säulen umstandenen Schwimmbeckens. Foto FU Berlin.