Vorschau
Donnerstag, den 22. Januar 2026, 18:15 Uhr
Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn
Dr. Viktoria Räuchle (Universität München)
Chain My Heart!
Der gefesselte Eros in der griechisch-römischen Bilderwelt und Literatur
Das Motiv des gefesselten und damit für das Quälen der unglücklich Verliebten bestraften Liebesgottes kennt die hellenistische und kaiserzeitliche Bilderwelt und Literatur in verschiedensten Gattungen und Zusammenhängen. In dieser Figur verdichten sich Bedeutungen auf unterschiedlichen Ebenen zu einem Panoptikum des Begehrens, das sich aus universalen Aspekten affektiver Erfahrung speist und dabei zugleich in hohem Maße von kulturspezifischen Liebeskonzepten sowie literarischen und visuellen Traditionen geprägt ist. Dieses Motiv bietet Möglichkeiten einer Erörterung über das Wesen der Liebe zwischen göttlicher Macht und Affekt, über die Fesseln der Leidenschaften und die Ketten der Vernunft, über universale und zeitgebundene Aspekte des Begehrens und über die Verstrickungen konkreter und metaphorischer Bedeutungen in der antiken Bildsprache.

Mit Genehmigung S.k.H. des Prinzen von Hannover, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg. Photo Stephan Eckardt, Göttingen
Donnerstag, den 26. Februar 2026, 18:15 Uhr
Vortragssaal des LVR-LandesMuseums Bonn
Julia Rücker, Lisa Meffire und Frank Willer
Neue Erkenntnisse zur Bronzezeit – Der Lanzenspitzenhort von Voerde Spellen, Kr. Wesel
Im Jahr 2019 wurde dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ein außergewöhnlicher spätbronzezeitlicher Hortfund (900 bis 800 v. Chr.) gemeldet. Der Lanzenspitzenhort von Voerde Spellen umfasst ca. 50 rekonstruierbare Lanzenspitzen und hebt sich durch seine hohe Anzahl und ein Gesamtgewicht von etwa 5 kg von anderen Deponierungen am Niederrhein ab. Er ist auch überregional als herausragend bronzereicher Hort zu bezeichnen und stellt in der Spätbronzezezit ein beträchtliches Vermögen dar.
Bei der restauratorischen Konservierung im LVR-LandesMuseum Bonn zeigte sich, dass die Lanzenspitzen ungewöhnlich qualitätvoll gearbeitet sind. Metallanalysen und Untersuchungen von Tonkernen wurden durchgeführt, um technische Fragen und die Herkunft des Metalls zu klären. Die ungewöhnliche Kombination aus Bronze und Eisen an einer Lanzentülle gibt neue Einblicke in die metallurgischen Entwicklungen sowie den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit am Unteren Niederrhein. Der Fundort, nahe des Rheins und der Lippemündung, spielte eine zentrale Rolle im Handelsnetz und zeigt eine auffällige Konzentration von spätbronzezeitlichen Metallfunden entlang der Flüsse, die mit aller Vorsicht als Hortungslandschaft bezeichnet werden kann.

Lanzenspitzenhort von Voerde-Spellen, Kr. Wesel (Foto: Jürgen Vogel/LVR-LandesMuseum Bonn)
Donnerstag, den 16. April 2026, 18:15 Uhr
Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn
Dr. des. Anna Klara Falke, LVR-Landesmuseum Bonn
Römische Brücken im Vorderen Orient
Für die Infrastruktur in römischer Zeit bildeten Brücken eine wichtige Grundlage, um natürliche Hindernisse zu überwinden. Steinerne Brücken mit Rundbögen sind auch heutzutage noch vielerorts sichtbar. Diese Bautechnik verbreitete sich in den römischen Provinzen, so auch im Vorderen Orient. Dort sind es vor allem Wadis, die nicht ganzjährig Wasser führen, die überspannt werden mussten. Dementsprechend wurde der Brückenbau in der Region angepasst und weist einige Besonderheiten auf. Besonders gut nachvollziehen lässt sich dies an der Nordost-Brücke in Bet She’an im heutigen Israel, die innerstädtisch errichtet wurde und schräggestellte Pfeiler besitzt. Im Vortrag wird diese Brücke im Kontext des römischen Brückenbaus in der Region vorgestellt.

Nordost-Brücke in Bet She’an (Israel)
Copyright: Anna Klara Falke
Donnerstag, den 30. April 2026, 18:15 Uhr
Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn
Prof. Dr. Ortwin Dally (DAI Rom)
Forschungen zur Topographie des Kapitols. Neue Einblicke in die Stadtgeschichte Roms in Antike, Mittelalter und Neuzeit
Der Vortrag stellt die vorläufigen Ergebnisse des Forschungsprojekts der
Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali und des Deutschen
Archäologischen Instituts vor zur archäologischen und bauhistorischen
Geschichte des südlichen Hälfte des Kapitols. Die Ausgrabungen im Garten
des Instituto di Corrispondenza Archeologica und des ehemaligen
protestantischen Hospitals eröffnen uns eine neue Perspektive auf die
wichtigsten Phasen der kulturhistorischen Entwicklung Roms: das Heiligtum
des Jupiter Optimus Maximus, das Mittelalter, das 16. und 17. Jahrhundert
und schließlich das 19. Jahrhundert, als der westliche Gipfel des Hügels
in den Besitz Preußens überging – eine Voraussetzung für die Gründung des
Instituto di Corrispondenza Archeologica als Vorgänger des Deutschen
Archäologischen Instituts.

Bildnachweis: DAI Rom/Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali, D. Nepi/D. Gauss
Donnerstag, den 21. Mai 2026, 18:15 Uhr
Hörsaal I, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn
Prof. Dr. Julia Hillner (Universität Bonn)
Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike
In jeder Monarchie spiegeln die Wahl des Ehepartners durch den Herrscher sowie die Entscheidungen darüber, mit wem Verwandte verheiratet werden, das Selbstverständnis dieses Regimes wider. So zeigen beispielsweise isogame Heiratspraktiken, dass sich Herrscher in ihre Aristokratie zu integrieren suchen, exogame, dass ein Herrscher Wert darauf legt, Teil eines Netzwerks diplomatischer Beziehungen oder Bündnisse mit anderen Herrschern zu sein, während Endogamie darauf abzielt, die soziale Sonderstellung der Herrscherfamilie zu unterstreichen. Die Heiratsstrategien der römischen Kaiser müssen aus dieser Perspektive noch systematisch erforscht werden. Dieser Vortrag widmet sich der Brautwahl spätantiker Kaiser, von der Tetrarchie bis zu Phokas (602-610 u. Z.). Dabei geht es zum einen darum, aus dieser Wahl Strategien im obigen Sinne abzuleiten, um das Selbstverständnis des spätantiken Kaisertums näher zu beleuchten. Auf der anderen Seite sollen Geschichten von spätantiken Kaisern, die angeblich aus Liebe heirateten, in ihre historischen Zusammenhänge eingeordnet werden.

Bildnachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / SBM Archivaufnahme Public Domain Mark 1.0 (mit verändertem Ausschnitt)
Donnerstag, den 17. September 2026, 18:15 Uhr
Vortragssaal im LVR-Landesmuseum Bonn, Colmantstr. 14 – 16, 53115 Bonn
PD Dr. Armin Becker (LVR-APX, Xanten)
Neue Forschungen in der CUT. Ein Überblick
Der LVR-Archäologische Park Xanten mit Römermuseum (LVR-APX) hat die Aufgabe, die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana (CUT) zu schützen, zu erforschen und zu präsentieren. In diesem Zusammenhang entsteht derzeit eine GIS-Datenbank (CUT-GIS), deren Grundlage die Erfassung von mittlerweile über 2000 archäologischen Grabungen, aber auch Verlustflächen ist. Zusätzlich zu den bereits existierenden digitalen Messdaten (CAD, MapInfo) wurden dazu über 10000 analoge Befundzeichnungen vektorisiert und in den Gesamtplan eingearbeitet. Neue Ausgrabungsdokumentationen werden überwiegend digital erstellt und in das CUT-GIS übernommen. Neben weiterhin notwendigen gezielten Ausgrabungen etwa im Vorfeld erforderlicher Infrastrukturmaßnahmen oder geplanter Rekonstruktionen steht die zerstörungsfreie geophysikalische Prospektion im Vordergrund der Forschungsmaßnahmen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die jüngsten Ausgrabungen innerhalb der CUT und über die geophysikalischen Prospektionsergebnisse der letzten Jahre. Gerade diese haben unser Bild vom Zentrum der römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana tiefgreifend verändert.

