Vorträge 2022

Vorschau

Donnerstag, 13. Januar 2022, 18:15 Uhr

Dr. Mischa Meier (Universität Tübingen)

Anschrift: Römerstraße 164, AVZ III, 53117 Bonn, Beginn 18.15 Uhr

 

Der Untergang des Römischen Reiches

Warum der Osten überlebt hat

Warum erlebte das Oströmische oder Byzantinische Reich im siebten und achten Jahrhundert nicht ein ähnliches Schicksal wie das Weströmische Reich im fünften, obgleich es mit ähnlichen Bedrohungen und strukturellen Problemen konfrontiert wurde? In Auseinandersetzung mit den Argumenten, die der Byzantinist John Haldon vor einigen Jahren vorgebracht hat, wird gezeigt, dass sich im Osten schon im fünften und sechsten Jahrhundert  ein neues Verständnis von Römisch-Sein, das heißt eine neue Identität entwickelt hat. Sie war in der Lage, die oströmische Bevölkerung auch in schwersten Krisenzeiten loyal an der Seite der Kaiser zu halten, und trug damit erheblich dazu bei, dass sich die Lage im achten Jahrhundert allmählich wieder stabilisieren konnte.

Der Vortrag findet im Rahmen der Ausstellung „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ im LVR-LandesMuseum Bonn statt.

 

Donnerstag 10. Februar 2022, 18:15 Uhr

Prof. Dr. Gunnar Seelentag (Universität Hannover)

Anschrift: Römerstraße 164, AVZ III, 53117 Bonn

Feindschaft – Opposition – Konkurrenz?
Ein neues Konzept des Verhältnisses von Senatoren und Monarchen im frühen Prinzipat

Anders als die Dauer des römischen Prinzipats es vermuten lässt, war die Stellung der einzelnen Kaiser eher prekär als stabil, und die moderne Forschung zur römischen Kaiserzeit hat das Verhältnis zwischen Senatoren und Prinzeps häufig als ‚Feindschaft‘ beschrieben oder vertritt das Konzept einer ,senatorischen Opposition‘. Der Vortrag betrachtet dieses Verhältnis differenzierter und analysiert es als eine Form der ‚Konkurrenz‘.  Für die Akzeptanz des römischen Kaiser war es eine zentrale Facette der Herrschaftsdarstellung, ,civilis‘ zu sein: ein Senator, ein Freund, ein lediglich Erster unter Gleichen. Die Konflikte zwischen Senatoren und Monarchen resultieren also nicht aus der Übermacht des Prinzeps und der Ohnmacht der Senatoren. Um als ‚gut‘ akzeptiert zu werden, hatte sich der Prinzeps demonstrativ im senatorischen Referenzrahmen zu bewegen. Dies bot Senatoren die Möglichkeit, sich mit ihm zu vergleichen, ihn einzuholen und auf zahlreichen Feldern ‚herauszufordern‘.

 

Donnerstag 10. März 2022, 18:15 Uhr

Dr. Erich Claßen (Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland)

LVR-Landesmuseum, Colmantstraße 14–16, 53115 Bonn. Derzeit gilt dort die 2G-plus-Regel. Eintritt für AV-Mitglieder frei.

Der Weg zum UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes.

Verfahren, Forschung, Vermittlung

Der Niedergermanische Limes war eine der wichtigsten Grenzen des Römischen Reiches; das Rheinland für die Kaiser und ihre Legionen, ja für das ganze Imperium Romanum, von zentraler und überlebenswichtiger Bedeutung. Bedeutende Städte und vielfältige Kulturlandschaften sind daraus entstanden und sie prägen unsere Tradition am Rhein noch heute. Herausragende archäologische Denkmäler zeugen davon und sind gerne und viel besuchte Orte. 2021 wurde auch der Niedergermanische Limes als UNESCO-Welterbe eingetragen, nachdem bereits die antiken Nachbargrenzen in Großbritannien (Hadrian‘s Wall, 1986; Antonine Wall, 2008) und der Obergermanisch-Rätische Limes zwischen Rheinbrohl und Eining an der Donau (2005) Welterbe-Status erlangt haben. Die Mehrheit der Stätten am Niedergermanischen Limes sind bereits seit einigen Jahrzehnten eingetragene Bodendenkmäler. Spektakuläre Entdeckungen haben diesen Schatz durch gezielte Forschungen in den letzten Jahren aber noch einmal erweitert. Hierüber und über das Antragsverfahren bei der UNESCO berichtet der für die fachliche Umsetzung in Nordrhein-Westfalen Verantwortliche.

 

Donnerstag 28. April 2022, 18:15 Uhr

Prof. Dr. Patric-Alexander Kreuz (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Hörsaal des AVZ III, Römerstraße 164, 53117 Bonn. Derzeit gilt dort die 2G-plus-Regel. Eintritt für AV-Mitglieder frei.

Vielfalt im Verborgenen

Annäherungen an römische Stadtbilder Norditaliens

Der Beginn römischer Herrschaft bedeutete für Norditalien eine Epoche intensiver Urbanisierung. Koloniegründungen, indigene Zentren und kleinere Siedlungen entwickelten sich in den Folgejahrhunderten dynamisch und sind aus zahlreichen, wenn auch nur ausschnitthaften Befunden vergleichsweise gut bekannt. Das Erscheinungsbild dieser Städte wird dagegen bislang bei der archäologischen Bewertung wenig thematisiert. Einige der greifbaren Facetten dieser Kategorie römischer Urbanistik werden aufgezeigt.

 

Donnerstag, 19. Mai 2022, 18:00 Uhr (entfallen, wird im November nachgeholt)

Prof. Dr. Thomas Stöllner (Ruhr-Universität Bochum und Deutsches Bergbau-Museum Bochum)

Anschrift: Klassische Archäologie und Akademisches Kunstmuseums, Römerstraße 164, 53117 Bonn

Tod im Salz

Einblicke in eine antike Bergbaukatastrophe
und in die Wirtschaftsgeschichte des antiken Persien

Im Winter 1993 wurden einzigartige Salzmumienfunde am Salzberg Douzlakh bei Chehrabad in der Provinz Zanjan (Nordiran) geborgen. Neue Funde 2004 und 2005 sowie interdisziplinäre und internationale Forschungen und montanarchäologische Ausgrabungen beleuchten das dortige Salzbergwerk in der Zeit der persischen Großkönige. Die Siedlungs- und Landschaftsgeschichte der Region und deren Beziehung zum Bergwerk zeigt das Funktionieren der Grube und ihre Versorgung, die Gewinnung von Arbeitskräften, teilweise aus weit entfernten Gegenden, und die wirtschaftliche Bedeutung der Anlage. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen mehrere archäologisch überlieferte Grubenunglücke um 400 v. Chr. Am Deutschen Bergbau-Museum Bochum wurde im April 2021 hierzu die Sonderausstellung „Death at Salt“ eröffnet.

 

Donnerstag, den 23. Juni 2022, 18:00 Uhr

Klassische Archäologie und Akademisches Kunstmuseum, Römerstraße 164, 53117 Bonn

Dr. Anne Kleineberg (Universität zu Köln, Klassische Archäologie)

Kaiserliche Bildnisbüsten römischer Zeit

Funktion – Kontext – medialer Charakter

Die plastischen Bildnisse des römischen Kaisers und der Angehörigen des Kaiserhauses waren omnipräsent. Dabei ist die freistehende rundplastische Bildnisbüste in der römischen Kaiserzeit die zweithäufigste Darstellungsform für Kaiser und deren Angehörige ebenso wie für römische Bürger. Erst die systematische Analyse typologisch-ikonographischer Aspekte und der Verwendungskontexte kann die Funktion und Bedeutung der freistehenden Büste als neben der Bildnisstatue wichtigster kaiserlicher Repräsentationsform erschließen.

Büste des Caracalla. Foto: Anne Kleineberg

 

Donnerstag, den 7. Juli 2022, 18:00 Uhr

Klassische Archäologie und Akademisches Kunstmuseum, Römerstraße 164, 53117 Bonn

Dr. Silva Bruder (Trier, Rheinisches Landesmuseum)

Zur Einrichtung der Ausstellung

Der Untergang des Römischen Reiches

Die rheinland-pfälzische Landesausstellung mit dem Titel „Der Untergang des Römischen Reiches“ eröffnet am 25. Juni 2022 in drei Museen der Stadt Trier. Sie beleuchtet das Ende des Römischen Reiches und sein Nachleben in allen Facetten. Der umfangreichste Ausstellungsteil im Rheinischen Landesmuseum Trier präsentiert zahlreiche Faktoren und Entwicklungen, die zum Zerfall des Imperiums beitrugen. Der Vortrag beleuchtet Aspekte der Organisation und der thematischen Schwerpunktsetzung dieses Ausstellungsteils und bietet einen ersten Blick auf die abwechslungsreiche Inszenierung sowie ausgewählte der über vierhundert internationalen Exponate.

 

Donnerstag, 15. September 2022, 18:00 Uhr c. t.

Klassische Archäologie und Akademisches Kunstmuseum, Römerstraße 164, 53117 Bonn

Dr. Bettina Tremmel (LWL-Archäologie für Westfalen, Münster)

Rom auf dem Weg nach Germanien

Neues zu den Römerlagern in Westfalen

Unter Kaiser Augustus geriet Westfalen in den Blick römischer Okkupationspolitik. Im Laufe von achtundzwanzig Jahren legte das römische Heer zahlreiche Truppenstandorte unterschiedlicher Größe, Funktion und Dauer an, darunter das erst letztes Jahr entdeckte älteste Marschlager von Haltern am See. Highlight des Vortrages wird sicherlich der kunstvoll verzierte Legionärsdolch, der 2019 im römischen Gräberfeld von Haltern gefunden wurde. Europaweit gibt es keine weitere derart gut erhaltene Kombination von dieser Waffe mit Scheide und dem dazugehörigen Gürtel.

 

Donnerstag, 24. November 2022, 18:00 Uhr

Klassische Archäologie und Akademisches Kunstmuseums, Römerstraße 164, 53117 Bonn

Prof. Dr. Thomas Stöllner (Ruhr-Universität Bochum und Deutsches Bergbau-Museum Bochum)

Tod im Salz

Einblicke in eine antike Bergbaukatastrophe
und in die Wirtschaftsgeschichte des antiken Persien

Im Winter 1993 wurden einzigartige Salzmumienfunde am Salzberg Douzlakh bei Chehrabad in der Provinz Zanjan (Nordiran) geborgen. Neue Funde 2004 und 2005 sowie interdisziplinäre und internationale Forschungen und montanarchäologische Ausgrabungen beleuchten das dortige Salzbergwerk in der Zeit der persischen Großkönige. Die Siedlungs- und Landschaftsgeschichte der Region und deren Beziehung zum Bergwerk zeigt das Funktionieren der Grube und ihre Versorgung, die Gewinnung von Arbeitskräften, teilweise aus weit entfernten Gegenden, und die wirtschaftliche Bedeutung der Anlage. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen mehrere archäologisch überlieferte Grubenunglücke um 400 v. Chr. Am Deutschen Bergbau-Museum Bochum wurde im April 2021 hierzu die Sonderausstellung „Death at Salt“ eröffnet.


Folgende Vorträge sind für das Jahr 2022 vorgesehen. Die Termine werden veröffentlicht, sobald dies aufgrund der Corona-Pandemie wieder möglich ist. Wir informieren Sie hier auf unserer Webseite über weitere Änderungen.

Dr. Erich Claßen (Bonn, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland)

Archäologie und Bodendenkmalpflege im Rheinland anhand aktueller Beispiele

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Aufgaben und Ziele der rheinischen Bodendenkmalpflege. Beispiele erläutern die Arbeitsweise der Archäologen und präsentieren ausgewählte neue Erkenntnisse zu unterschiedlichen Epochen.

 

Professor Dr. Salvatore Ortisi (Ludwig-Maximilians-Universität

Rom in Germanien. Kalkriese und die Varusschlacht

Die Provinzialisierung des rechtsrheinischen Germanien fand im Jahre 9 n. Chr. mit dem Untergang des Statthalters Varus und seiner Armee in der Niederlage im Teutoburger Wald ein abruptes Ende. Selbst die späteren verlustreichen Feldzüge des Germanicus änderten nichts daran: Der Rhein blieb über vierhundert Jahre die Grenze zwischen Rom und dem freien Germanien. Seit Jahrhunderten versuchen Gelehrte, den Ort der Varusschlacht zu lokalisieren. Mit der Entdeckung eines Kampfplatzes der augusteischen Zeit in Kalkriese 1987 findet die Annahme Bestätigung, der entscheidende Kampf habe nördlich von Osnabrück, zwischen Wiehengebirge und Großem Moor stattgefunden. Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur römischen Militärpräsenz in Germanien und die aktuellen Forschungen auf dem Schlachtfeld.