Vortrag 26.02.2026, 18:15 Uhr, Julia Rücker, Lisa Meffire, Frank Willer – Neue Erkenntnisse zur Bronzezeit

Donnerstag, den 26. Februar 2026, 18:15 Uhr

Vortragssaal des LVR-LandesMuseums Bonn

Julia Rücker, Lisa Meffire und Frank Willer

Neue Erkenntnisse zur Bronzezeit – Der Lanzenspitzenhort von Voerde Spellen, Kr. Wesel

Im Jahr 2019 wurde dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ein außergewöhnlicher spätbronzezeitlicher Hortfund (900 bis 800 v. Chr.) gemeldet. Der Lanzenspitzenhort von Voerde Spellen umfasst ca. 50 rekonstruierbare Lanzenspitzen und hebt sich durch seine hohe Anzahl und ein Gesamtgewicht von etwa 5 kg von anderen Deponierungen am Niederrhein ab. Er ist auch überregional als herausragend bronzereicher Hort zu bezeichnen und stellt in der Spätbronzezezit ein beträchtliches Vermögen dar.

Bei der restauratorischen Konservierung im LVR-LandesMuseum Bonn zeigte sich, dass die Lanzenspitzen ungewöhnlich qualitätvoll gearbeitet sind. Metallanalysen und Untersuchungen von Tonkernen wurden durchgeführt, um technische Fragen und die Herkunft des Metalls zu klären. Die ungewöhnliche Kombination aus Bronze und Eisen an einer Lanzentülle gibt neue Einblicke in die metallurgischen Entwicklungen sowie den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit am Unteren Niederrhein. Der Fundort, nahe des Rheins und der Lippemündung, spielte eine zentrale Rolle im Handelsnetz und zeigt eine auffällige Konzentration von spätbronzezeitlichen Metallfunden entlang der Flüsse, die mit aller Vorsicht als Hortungslandschaft bezeichnet werden kann.

Lanzenspitzenhort von Voerde-Spellen, Kr. Wesel (Foto: Jürgen Vogel/LVR-LandesMuseum Bonn)

Vortrag 22.01.2026, 18:15 Uhr, Dr. Viktoria Räuchle – Chain My Heart! Der gefesselte Eros in der griechisch-römischen Bilderwelt und Literatur

Donnerstag, den 22. Januar 2026, 18:15 Uhr

Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn

Dr. Viktoria Räuchle, Universität München

Chain My Heart!

Der gefesselte Eros in der griechisch-römischen Bilderwelt und Literatur

Das Motiv des gefesselten und damit für das Quälen der unglücklich Verliebten bestraften Liebesgottes kennt die hellenistische und kaiserzeitliche Bilderwelt und Literatur in verschiedensten Gattungen und Zusammenhängen. In dieser Figur verdichten sich Bedeutungen auf unterschiedlichen Ebenen zu einem Panoptikum des Begehrens, das sich aus universalen Aspekten affektiver Erfahrung speist und dabei zugleich in hohem Maße von kulturspezifischen Liebeskonzepten sowie literarischen und visuellen Traditionen geprägt ist. Dieses Motiv bietet Möglichkeiten einer Erörterung über das Wesen der Liebe zwischen göttlicher Macht und Affekt, über die Fesseln der Leidenschaften und die Ketten der Vernunft, über universale und zeitgebundene Aspekte des Begehrens und über die Verstrickungen konkreter und metaphorischer Bedeutungen in der antiken Bildsprache.

Der gefesselte Eros. Marmorstatue. Hannover, Sammlung Wallmoden
Mit Genehmigung S.k.H. des Prinzen von Hannover, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg. Photo Stephan Eckardt, Göttingen

Vortrag 12.12.2025, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos – Der minoische Stiersprung

Donnerstag, den 12. Dezember 2025, 18:15 Uhr

Hörsaal der Klassischen Archäologie, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn

Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos (Universität Heidelberg)

Der minoische Stiersprung

Anatomie eines frühägäischen Rituals

Innerhalb der faszinierenden Bilderwelt aus der Blütezeit der minoischen Kultur sticht ein Motiv so deutlich hervor, dass es geradezu zum visuellen Emblem des Palastes von Knossos wurde: die atemraubende Begegnung zwischen wagemutigen jungen Akrobaten und dem ungezähmten Stier. Zwar kennt auch die übrige Alte Welt Darstellungen dieses archaischen Duells – doch nur auf dem bronzezeitlichen Kreta verdichtete sich das Thema zu einem ästhetisch und symbolisch überaus kraftvollen Leitmotiv. Nach mehr als einem Jahrhundert intensiver Forschung und einer Fülle an Deutungsversuchen wird im Vortrag eine neue Interpretation gewagt, welche die identitätsstiftende Bedeutung dieses Bildthemas für die minoische Elite in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Stiersprung