Vortrag 17.09.2026, 18:15 Uhr, PD Dr. Armin Becker – Neue Forschungen in der CUT. Ein Überblick

Donnerstag, den 17. September 2026, 18:15 Uhr

Vortragssaal im LVR-Landesmuseum Bonn, Colmantstr. 14 – 16, 53115 Bonn

PD Dr. Armin Becker (LVR-APX, Xanten)

Neue Forschungen in der CUT. Ein Überblick

Der LVR-Archäologische Park Xanten mit Römermuseum (LVR-APX) hat die Aufgabe, die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana (CUT) zu schützen, zu erforschen und zu präsentieren. In diesem Zusammenhang entsteht derzeit eine GIS-Datenbank (CUT-GIS), deren Grundlage die Erfassung von mittlerweile über 2000 archäologischen Grabungen, aber auch Verlustflächen ist. Zusätzlich zu den bereits existierenden digitalen Messdaten (CAD, MapInfo) wurden dazu über 10000 analoge Befundzeichnungen vektorisiert und in den Gesamtplan eingearbeitet. Neue Ausgrabungsdokumentationen werden überwiegend digital erstellt und in das CUT-GIS übernommen. Neben weiterhin notwendigen gezielten Ausgrabungen etwa im Vorfeld erforderlicher Infrastrukturmaßnahmen oder geplanter Rekonstruktionen steht die zerstörungsfreie geophysikalische Prospektion im Vordergrund der Forschungsmaßnahmen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die jüngsten Ausgrabungen innerhalb der CUT und über die geophysikalischen Prospektionsergebnisse der letzten Jahre. Gerade diese haben unser Bild vom Zentrum der römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana tiefgreifend verändert.

Das Bild entstammt einer Serie von 210 Luftbildern, die Dr. Baoquan Song, Ruhr Universität Bochum – Institut für Archäologische Wissenschaften Fach Ur- und Frühgeschichte, im Jahr 2023 über dem Gelände der CUT und der Stadt Xanten aufnahm. (LVR APX Song 11/2023)

Vortrag 18.06.2026, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Dorothea Rohde – Rosa Rosen aus Paestum: Zur Verflechtung von Markt, Religion und Urbanität

Donnerstag, den 18. Juni 2026, 18:15 Uhr

Hörsaal der Klassischen Archäologie, Römerstr. 164, 53117 Bonn

Prof. Dr. Dorothea Rohde (Universität zu Köln)

Rosa Rosen aus Paestum:
Zur Verflechtung von Markt, Religion und Urbanität

Der Vortrag untersucht die römische Stadt als gebauten und sozial konstruierten
Raum, in dem Religion, Wirtschaft und Gesellschaft eng verflochten waren. Am
Beispiel des floralen Schmucks – Kränze und Girlanden – wird gezeigt, wie
religiöser Konsum das städtische Leben prägte. Die Analyse beleuchtet drei
Dimensionen: (1) die zeitliche Rhythmisierung religiösen Konsums durch
häusliche, nachbarschaftliche und öffentliche Feste, (2) die räumliche
Topographie religiöser Markttransaktionen in der Stadt, sowie (3) die soziale
Positionierung von Akteuren und ihre Beziehungen. Auf diese Weise wird
deutlich, wie Religion nicht nur einen städtischen Wirtschaftsfaktor bildete,
sondern auch, wie die römische Stadt durch soziale, wirtschaftliche und religiös
motivierte Interaktionen eine spezifische Urbanität ausbildete.


House of the Vettii VI 15,1 Pompeii 2023 east wall southeast corner painting of cupids as flower dealers, picking and selling flowers and making garlands room q (Mau plan) courtesy of Miriam Colomer

Vortrag 21.05.2026, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Julia Hillner – Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike

Donnerstag, den 21. Mai 2026, 18:15 Uhr

Hörsaal I, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn

Prof. Dr. Julia Hillner (Universität Bonn)

Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike

In jeder Monarchie spiegeln die Wahl des Ehepartners durch den Herrscher sowie die Entscheidungen darüber, mit wem Verwandte verheiratet werden, das Selbstverständnis dieses Regimes wider. So zeigen beispielsweise isogame Heiratspraktiken, dass sich Herrscher in ihre Aristokratie zu integrieren suchen, exogame, dass ein Herrscher Wert darauf legt, Teil eines Netzwerks diplomatischer Beziehungen oder Bündnisse mit anderen Herrschern zu sein, während Endogamie darauf abzielt, die soziale Sonderstellung der Herrscherfamilie zu unterstreichen. Die Heiratsstrategien der römischen Kaiser müssen aus dieser Perspektive noch systematisch erforscht werden. Dieser Vortrag widmet sich der Brautwahl spätantiker Kaiser, von der Tetrarchie bis zu Phokas (602-610 u. Z.). Dabei geht es zum einen darum, aus dieser Wahl Strategien im obigen Sinne abzuleiten, um das Selbstverständnis des spätantiken Kaisertums näher zu beleuchten. Auf der anderen Seite sollen Geschichten von spätantiken Kaisern, die angeblich aus Liebe heirateten, in ihre historischen Zusammenhänge eingeordnet werden.

Konsulardiptychon des Iustinus (kurz vor 540), Detail: kaiserliches Ehepaar zu Seiten Christi

Bildnachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / SBM Archivaufnahme Public Domain Mark 1.0 (mit verändertem Ausschnitt)