Vortrag 09.07.2026, 18:15 Uhr, PD Dr. Thomas Otten – Das mittelalterliche jüdische Viertel in Köln – von der Ausgrabung zum Museum

Donnerstag, den 09. Juli 2026, 18:15 Uhr

Hörsaal I der Römerstraße 164

PD Dr. Thomas Otten (MiQua Köln)

Das mittelalterliche jüdische Viertel in Köln – von der Ausgrabung zum Museum

Zentral in der Kölner Altstadt, direkt auf dem Rathausplatz, entsteht das MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln. In einem unterirdischen Rundgang wird hier zukünftig auf mehr als 6.000 m² die 2000-jährige Kölner Stadtgeschichte für die Besuchenden sichtbar und erlebbar. Nach den kriegsbedingten Zerstörungen der Kölner Innenstadt traten hier bei Ausgrabungen 1953 und dann vor allem seit den 1990er Jahren aufsehenerregende Befunde zutage, angefangen beim Palast des römischen Statthalters, dem Praetorium, bis hin zum mittelalterlichen jüdischen Viertel und dem christlichen Goldschmiedeviertel. Über diesen archäologischen Denkmälern wird seit 2015 ein neues Museumsgebäude errichtet, das neben einem Dauer- und Wechselausstellungsbereich zur Jüdischen Geschichte Kölns Einblicke in die Archäologie des Untergrunds ermöglicht, darunter die mittelalterliche Synagoge und das jüdische Ritualbad, die Mikwe. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Denkmäler, das Museumskonzept und den aktuellen Stand der Baustelle..

 

© Wandel Lorch Götze Wach

Vortrag 18.06.2026, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Dorothea Rohde – Rosa Rosen aus Paestum: Zur Verflechtung von Markt, Religion und Urbanität

Donnerstag, den 18. Juni 2026, 18:15 Uhr

Hörsaal der Klassischen Archäologie, Römerstr. 164, 53117 Bonn

Prof. Dr. Dorothea Rohde (Universität zu Köln)

Rosa Rosen aus Paestum:
Zur Verflechtung von Markt, Religion und Urbanität

Der Vortrag untersucht die römische Stadt als gebauten und sozial konstruierten
Raum, in dem Religion, Wirtschaft und Gesellschaft eng verflochten waren. Am
Beispiel des floralen Schmucks – Kränze und Girlanden – wird gezeigt, wie
religiöser Konsum das städtische Leben prägte. Die Analyse beleuchtet drei
Dimensionen: (1) die zeitliche Rhythmisierung religiösen Konsums durch
häusliche, nachbarschaftliche und öffentliche Feste, (2) die räumliche
Topographie religiöser Markttransaktionen in der Stadt, sowie (3) die soziale
Positionierung von Akteuren und ihre Beziehungen. Auf diese Weise wird
deutlich, wie Religion nicht nur einen städtischen Wirtschaftsfaktor bildete,
sondern auch, wie die römische Stadt durch soziale, wirtschaftliche und religiös
motivierte Interaktionen eine spezifische Urbanität ausbildete.


House of the Vettii VI 15,1 Pompeii 2023 east wall southeast corner painting of cupids as flower dealers, picking and selling flowers and making garlands room q (Mau plan) courtesy of Miriam Colomer

Vortrag 21.05.2026, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Julia Hillner – Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike

Donnerstag, den 21. Mai 2026, 18:15 Uhr

Hörsaal I, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn

Prof. Dr. Julia Hillner (Universität Bonn)

Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike

In jeder Monarchie spiegeln die Wahl des Ehepartners durch den Herrscher sowie die Entscheidungen darüber, mit wem Verwandte verheiratet werden, das Selbstverständnis dieses Regimes wider. So zeigen beispielsweise isogame Heiratspraktiken, dass sich Herrscher in ihre Aristokratie zu integrieren suchen, exogame, dass ein Herrscher Wert darauf legt, Teil eines Netzwerks diplomatischer Beziehungen oder Bündnisse mit anderen Herrschern zu sein, während Endogamie darauf abzielt, die soziale Sonderstellung der Herrscherfamilie zu unterstreichen. Die Heiratsstrategien der römischen Kaiser müssen aus dieser Perspektive noch systematisch erforscht werden. Dieser Vortrag widmet sich der Brautwahl spätantiker Kaiser, von der Tetrarchie bis zu Phokas (602-610 u. Z.). Dabei geht es zum einen darum, aus dieser Wahl Strategien im obigen Sinne abzuleiten, um das Selbstverständnis des spätantiken Kaisertums näher zu beleuchten. Auf der anderen Seite sollen Geschichten von spätantiken Kaisern, die angeblich aus Liebe heirateten, in ihre historischen Zusammenhänge eingeordnet werden.

Konsulardiptychon des Iustinus (kurz vor 540), Detail: kaiserliches Ehepaar zu Seiten Christi

Bildnachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / SBM Archivaufnahme Public Domain Mark 1.0 (mit verändertem Ausschnitt)