Vorträge 2022

Vorschau

Donnerstag, 13. Januar 2022, 18:15 Uhr

Dr. Mischa Meier (Universität Tübingen)

Ort: LVR-LandesMuseum Bonn, Colmantstraße 14-16, 53115 Bonn

 

Der Untergang des Römischen Reiches

Warum der Osten überlebt hat

Warum erlebte das Oströmische oder Byzantinische Reich im siebten und achten Jahrhundert nicht ein ähnliches Schicksal wie das Weströmische Reich im fünften, obgleich es mit ähnlichen Bedrohungen und strukturellen Problemen konfrontiert wurde? In Auseinandersetzung mit den Argumenten, die der Byzantinist John Haldon vor einigen Jahren vorgebracht hat, wird gezeigt, dass sich im Osten schon im fünften und sechsten Jahrhundert  ein neues Verständnis von Römisch-Sein, das heißt eine neue Identität entwickelt hat. Sie war in der Lage, die oströmische Bevölkerung auch in schwersten Krisenzeiten loyal an der Seite der Kaiser zu halten, und trug damit erheblich dazu bei, dass sich die Lage im achten Jahrhundert allmählich wieder stabilisieren konnte.

Der Vortrag findet im Rahmen der Ausstellung „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ im LVR-LandesMuseum Bonn statt.

 

Donnerstag 10. Februar 2022, 18:15 Uhr

Prof. Dr. Gunnar Seelentag (Universität Hannover)

LVR-Landesmuseum, Colmantstraße 14–16, 53115 Bonn

Feindschaft – Opposition – Konkurrenz?
Ein neues Konzept des Verhältnisses von Senatoren und Monarchen im frühen Prinzipat

Anders als die Dauer des römischen Prinzipats es vermuten lässt, war die Stellung der einzelnen Kaiser eher prekär als stabil, und die moderne Forschung zur römischen Kaiserzeit hat das Verhältnis zwischen Senatoren und Prinzeps häufig als ‚Feindschaft‘ beschrieben oder vertritt das Konzept einer ,senatorischen Opposition‘. Der Vortrag betrachtet dieses Verhältnis differenzierter und analysiert es als eine Form der ‚Konkurrenz‘.  Für die Akzeptanz des römischen Kaiser war es eine zentrale Facette der Herrschaftsdarstellung, ,civilis‘ zu sein: ein Senator, ein Freund, ein lediglich Erster unter Gleichen. Die Konflikte zwischen Senatoren und Monarchen resultieren also nicht aus der Übermacht des Prinzeps und der Ohnmacht der Senatoren. Um als ‚gut‘ akzeptiert zu werden, hatte sich der Prinzeps demonstrativ im senatorischen Referenzrahmen zu bewegen. Dies bot Senatoren die Möglichkeit, sich mit ihm zu vergleichen, ihn einzuholen und auf zahlreichen Feldern ‚herauszufordern‘.


Folgende Vorträge sind für das Jahr 2022 vorgesehen. Die Termine werden veröffentlicht, sobald dies aufgrund der Corona-Pandemie wieder möglich ist. Wir informieren Sie hier auf unserer Webseite über weitere Änderungen.

Dr. Erich Claßen (Bonn, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland)

Archäologie und Bodendenkmalpflege im Rheinland anhand aktueller Beispiele

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Aufgaben und Ziele der rheinischen Bodendenkmalpflege. Beispiele erläutern die Arbeitsweise der Archäologen und präsentieren ausgewählte neue Erkenntnisse zu unterschiedlichen Epochen.

 

Professor Dr. Salvatore Ortisi (Ludwig-Maximilians-Universität

Rom in Germanien. Kalkriese und die Varusschlacht

Die Provinzialisierung des rechtsrheinischen Germanien fand im Jahre 9 n. Chr. mit dem Untergang des Statthalters Varus und seiner Armee in der Niederlage im Teutoburger Wald ein abruptes Ende. Selbst die späteren verlustreichen Feldzüge des Germanicus änderten nichts daran: Der Rhein blieb über vierhundert Jahre die Grenze zwischen Rom und dem freien Germanien. Seit Jahrhunderten versuchen Gelehrte, den Ort der Varusschlacht zu lokalisieren. Mit der Entdeckung eines Kampfplatzes der augusteischen Zeit in Kalkriese 1987 findet die Annahme Bestätigung, der entscheidende Kampf habe nördlich von Osnabrück, zwischen Wiehengebirge und Großem Moor stattgefunden. Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur römischen Militärpräsenz in Germanien und die aktuellen Forschungen auf dem Schlachtfeld.