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Die
Geschichte des Bonner Raums in römischer Zeit beginnt in der
zweiten Hälfte des 1. vorchristlichen Jahrhunderts, als der
germanische, romfreundliche Stamm der Ubier auf die linke
Rheinseite übersiedelte. Unklar ist dabei, ob Agrippa, der
Freund, Feldherr und Schwiegersohn des Augustus, diesen
Prozess initiierte oder lediglich tolerierte. Die Ubier
übernahmen das Gebiet zwischen Maas und Rhein von den hier
zuvor siedelnden Eburonen, die Caesar 54 v. Chr. im Zuge
seines Gallischen Krieges stark dezimiert hatte.
In Bonn
selbst weisen erste archäologische Spuren auf eine ubische
Siedlung im Bereich des heutigen Bertha-von-Suttner-Platzes.
Man nutzte hier ein geschützt zwischen dem Rhein und der Gumme
(einem alten Rheinarm im Bereich der heutigen Eisenbahntrasse)
gelegenes Hochplateau [s.
Karte].

Genauere
Informationen zur Frühgeschichte von ‚Bonna’ könnte das
Geschichtswerk des kaiserzeitlichen Autors Florus enthalten.
Dieser berichtet im Zusammenhang mit den augusteischen
Germanenkriegen, dass Drusus, der Adoptivsohn des Kaisers,
zwischen 12 und 9 v. Chr. die Orte Borma (Bonna?) und Gesonia
mit Brücken verband (untereinander oder jeweils mit dem
Festland/ mit einem anderen Ufer?) und mit Flotten verstärkte.
Da sich nun weder die - unsicher überlieferten - Ortsnamen
eindeutig identifizieren noch die Maßnahmen genauer bestimmen
lassen, ist die historische Aussagekraft der Passage bislang
leider gering.
Es sind vor
allem archäologische Funde, die belastbare Daten liefern. So
konnte für den Zeitraum 17-30 n. Chr. ein Hilfstruppenlager
nachgewiesen werden. Dieses umfasste wohl eine berittene
Einheit (ala) und eine Einheit Hilfstruppen (cohors)
mit insgesamt rund 1000 Soldaten. Hierbei handelte es sich
nicht um römische Bürger, sondern um Reichsbewohner, die durch
ihren Militärdienst das römische Bürgerrecht erst erwerben
wollten. Eine Reihe von Grabinschriften stammen von diesen
Soldaten, wie beispielsweise das Epitaph eines gewissen
Pintaius aus dem Nordwesten Spaniens, der als
Feldzeichenträger der 5. Asturerkohorte nach Bonn kam
[s. Abb.].
Zwar durften
Soldaten wie jener Pintaius während ihrer Dienstzeit nicht
heiraten, sie hatten aber nicht selten eheähnliche
Beziehungen, die sie nach der Militärzeit legalisierten. Da
Frauen nicht in Militärlagern leben durften, wohnten sie in
deren Vorstädten (canabae), die auch von Personen, die
das Lager versorgten (Händler, Handwerker etc.), genutzt
wurden. Die Armee war so der Garant eines konstanten
Bevölkerungszuwachses in Bonn und der bestimmende
wirtschaftliche Faktor.
Die
vermutlich um das Jahr 43 nach Bonn verlegte Legio I
und ihre Nachfolgerinnen benötigten mit ihren untergeordneten
Hilfstruppen deutlich mehr Platz (nämlich für mindestens 6000
Soldaten), als der bisher genutzte Raum der Hilfstruppen bot.
Um die vorteilhafte Lage eines überschwemmungssicheren
Hochplateaus im heutigen Bonn-Castell zu nutzen, wurde dort
ein hölzernes Legionslager errichtet
[s. Abb. unten].
Daneben deuten die Überreste von sieben großzügigen
Gebäuden unter dem heutigen Hotel Königshof und die Mauerreste
unter dem Collegium Albertinum an der Adenauerallee (eine von
Militärangehörigen erbaute und genutzte Thermenanlage) darauf
hin, dass auch höhere Funktionsträger der römischen
Militärverwaltung der Rheinarmee in Bonn stationiert waren.
Die zivile
Siedlung (vicus) dieser Jahre erstreckte sich von der
Beethovenhalle bis hin zum Münster und der Universität mit
einem vermuteten Zentrum unter dem heutigen Stiftsplatz. Wohl
in neronischer Zeit entwickelte sich weiter südlich, im
Bereich des ehemaligen Regierungsviertels, ein weiterer
Siedlungsschwerpunkt. Die archäologischen Funde machen
deutlich, dass hier Töpfer, Schmiede und Bronzegießer lebten
und arbeiteten.
Aber
auch im heutigen Innenstadtbereich lassen sich
Handwerkerhäuser nachweisen. So kamen im Zuge der Baumaßnahmen
am Amtsgericht zahlreiche Töpferöfen und bei anderen
Neubauprojekten in der Nähe der Oper weitere
Handwerkerquartiere ans Tageslicht. Eines der späteren
Gräberfelder der in Bonn lebenden Menschen lag (wie üblich
außerhalb der Siedlungen) in der Nähe des Münsters.
Nach den
Unruhen des Bataveraufstandes in den Jahren 69/70 und der
Einrichtung einer eigenständigen Rheinprovinz Germania
Inferior unter Kaiser Domitian konnte Bonn eine lange
Friedensphase genießen. Dabei spielte die seit den 70er Jahren
des 1. Jahrhundert hier stationierte Legio I Minervia
weiterhin auch als wirtschaftlicher Faktor eine bedeutende
Rolle. Die Legion bekam nun ein befestigtes Lager aus Stein
und verfügte sogar über eine eigene Wasserleitung aus der
Voreifel. Insgesamt zeugen zahlreiche Neubauten in der
Zivilsiedlung vom wirtschaftlichen Aufschwung des Standorts.
Durch die
militärischen Reformen der Kaiser zwischen Gallienus und
Constantin kam es auch in Bonn zu einer Truppenreduzierung auf
ca. 1000 Mann. Aufgrund der politisch-militärisch unruhigen
Zeiten mit ihren Germaneneinfällen zogen zahlreiche Zivilisten
in den frei gewordenen Platz im Lager. Der letzte
inschriftliche Beleg für eine römische Armee in Bonn wird in
das Jahr 295 datiert. Dies bedeutet nicht, dass im 4.
Jahrhundert hier keine Truppen mehr zu vermuten wären;
vielmehr zeigt es, dass römische Traditionen, wie das
Aufstellen von lateinischen Inschriften, langsam schwanden.
Der
Niedergang der römischen Macht am Rhein war kein plötzliches
Ereignis, sondern ein längerer Prozess. Für das Ende des
„römischen“ Bonns sorgten vermutlich Franken, die die Region
immer wieder plündernd heimgesucht hatten. Schon in den Jahren
ab 352 n.Chr. war es zu schweren alemannisch-fränkischen
Einfällen gekommen, in deren Verlauf die gesamte Rheingrenze
fiel. 356 - 360 konnte sie jedoch unter Julian wieder
stabilisiert werden. Hinweise, welche Truppen in der
wiederhergestellten Anlage in Bonn einquartiert wurden, finden
sich allerdings kaum; in den Militärfunden spiegeln sich
lediglich eine starke germanische Präsenz und Beeinflussung
wider. Ab 407 brach dann die römische Präsenz am Rhein
endgültig zusammen.
Schon im 2.
Jahrhundert hatte das Christentum am Rhein Einzug gehalten.
Für Bonn gibt es aber keine konkrete Überlieferung.
Christliche Märtyrer, als welche die Stadtpatrone Cassius und
Florentius verehrt werden, hat es hier im späteren 3.
Jahrhundert vielleicht gegeben. Archäologisch lässt sich ihr
Kult in Bonn aber erst ab dem 6. Jh. eindeutig nachweisen, als
innerhalb des Gräberfelds am späteren Münster ein christlicher
Saalbau errichtet wurde, der auch zur Bestattung diente
[s. Abb. unten].
Die Keimzelle des mittelalterlichen Siedlungszentrums
war gelegt, auch wenn das Zentrum des frühmittelalterlichen
Bonn zunächst im Südwestteil des ehemaligen Legionslagers,
dessen Mauern und Schutzfunktion noch im 9. Jh. bezeugt sind,
verblieb. Erst kurz vor der Jahrtausendwende, als dieser Ort
wohl infolge der Normannenstürme zu unsicher erschien,
verlagerte sich der Schwerpunkt Bonns zur ursprünglich
vorstädtischen Märtyrerkirche und zum Cassiusstift.

Konrad
Vössing
Literatur:
C. van Driel-Murray, Funde aus
der Fabrica der Legio I Minerva, in: Rheinische Ausgrabungen
23, 1984, 1-83
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Krieg und Frieden. Kelten, Römer, Germanen, Darmstadt 2007,
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Archäologie im Rheinland 2006, Stuttgart 2007, 88-91
Chr. Keller / U. Müssemeier,
Das monasterium sanctorum martyrum Cassii et Florentii
und die frühen Kirchenbauten unter der Bonner Münsterkirche,
in: S. Ristow (Hg.), Neue Forschungen zu den Anfängen des
Christentums im Rheinland, Münster 2004, 187-208
R. Prien, Ein Massengrab aus
der Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. im Bonner Legionslager,
in: Bonner Jahrbücher 202/203, 2002/2003, 171-198.
M. v. Rey (Hg.), Geschichte
der Stadt Bonn, Bd. 1: Bonn von der Vorgeschichte bis zum Ende
der Römerzeit, Bonn 2001
A. Rösger / W. Will, Die
Drususbrücke zu Bonn. Nochmals Flor. Epit. 2,30,26, in Bonner
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C. Ulbert, Ausgrabungen im
Bonner vicus – ein erster Überblick über die Befunde in der
römischen Zivilsiedlung, in: J. Kunow (Hg.), Archäologie im
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Ders., Die Grabung im Bonner
Zivilvicus – ein Resümee, in: J. Kunow (Hg.) Archäologie im
Rheinland 2007, Stuttgart 2008, 85-87
G. White, Die römischen
Thermen des Bonner vicus, in: J. Kunow (Hrsg.) Archäologie im
Rheinland 2006, Stuttgart 2007, 91- 94
Abbildungsnachweis: Geschichte der Stadt Bonn, Bd. 1: Bonn von
der Vorgeschichte bis zum Ende der Römerzeit, hrsg. v. M. v.
Rey, Bonn 2001, S. 63, 75, 176, 237.
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